- Historie und Politik, Bd. 16
Günter
Gehl
Katholische
Jugendliche im Dritten Reich in der katholischen
Provinz:
Grenzen der Gleichschaltung
— Drei Beispiele
im Bistum Trier
2009, 266 Seiten,
ISBN 978-3-937601-72-4
Euro 28,00
An drei Beispielen von katholischen Jugendlichen
aus dem Bistum Trier untersucht Günter Gehl
wie sich unter dem Terror des Nationalsozialismus
das Gewissen von jungen Menschen regte
und im gesellschaftlichen Leben zu behaupten versuchte.
Die drei waren einfache Bürger und in keine
Widerstandsgruppe eingebunden. Ihnen ging es darum,
ihre übernommenen christlichen
Ideale und Werte leben und gestalten zu können.
Hilfe und Schutz bot ihnen dabei ihre Einbettung
ins katholische Milieu, das sich trotz totalitärer
Staatsdoktrin ein Eigenleben erhalten hatte. Natürlich
fielen die drei mit ihrem Verhalten auf, wurden angezeigt,
verfolgt, benachteiligt, ließen sich aber nicht
von ihren Einstellungen abbringen. Insofern sind
sie, auch wenn der Autor schreibt, dass sie Einzelbeispiele
und nicht repräsentativ seien, doch Studienfälle
und Vorbilder für das, was derjenige tun kann,
der sich nicht einem totalitären System bereitwillig
unterwerfen will.
Darüber hinaus bietet das Buch von Günter
Gehl einen hervorragenden Einblick in den Forschungsstand über
das katholische Milieu in der NS-Zeit, über
den gerade in der christlichen Soziallehre heftig
diskutierten Widerstandsbegriff und über die
Rolle von Kirche und Kirchenvolk im Dritten Reich.
Dabei konnte er auch umfangreiches, bisher nicht
veröffentlichtes Quellenmaterial aus kirchlichen,
staatlichen und privaten Archiven nutzen.
Für Historiker und für alle an deutscher
Geschichte Interessierten ein lesenswertes Buch.
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