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Horst Nalewski
Kennst du Rainer Maria Rilke?
Der schwere Weg zum
großen Dichter
2005, 108 Seiten, € 12,80
ISBN 3-937601-25-2
Dieses Buch ist an diejenigen gerichtet, die Rainer Maria
Rilke kennen lernen wollen, aber auch an erwachsene
Literaturinteressierte, die den jungen Rilke besonders
lieben. Es will den schweren Weg nachzeichnen,
den der Dichter gehen musste, um schließlich einer
der ganz Großen zu werden.
Die Ehe der Eltern zerbrach, als der Sohn gerade zehn alt
und in eine militärische Laufbahn gelenkt worden
war. Gegen den Widerstand der Verwandten suchte
der junge Rilke in Prag,
Österreich und Deutschland sein Dichtertum zu
beweisen. Seine Probleme im Elternhaus, sein Leiden
an der Militärschule, seine komplizierten Beziehungen
zu Frauen spiegeln sich in seinen Werken wider.
Der Autor dieses Bandes, Dr. Horst Nalewski, ist
ein bedeutender Rilke-Kenner.
Es ist ihm gelungen, den konfliktreichen Weg des
Dichters für Leser ab etwa 15 Jahren in verständlicher
Sprache darzustellen und solche Texte Rilkes
auszuwählen,
die auch für junge Menschen lesbar und von
Bedeutung sind. Durch die Verknüpfung von
Biografie und ungekürzten Texten, ergänzt
durch viele Fotos, wird den Lesern ein anschauliches
Bild des großen Künstlers vermittelt.
Obwohl in erster Linie für junge Leser gedacht,
ist das auf hohem Niveau und in vorbildIicher Diktion
geschriebene Werk Nalewskis für alle Rilke-Freunde
eine Bereicherung.
Leseprobe (pdf
422 kB)
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amazon.de
Kundenrezension
"... „Kennst du Rainer Maria Rilke?“ Diese
Frage wird man auch nach der Lektüre nur
schwer mit „Ja“ beantworten können.
Nein, man kennt ihn nicht, aber man ist hungriger
und durstiger geworden, sich mit ihm bekannt zu
machen. So wie Rilke auch seinen besonderen Weg
gewählt hat, ist dieser Band anspruchsvoll
auf eigenem Weg..."
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Rezension
Prof. Dr. August Stahl, Präsident
der Internationalen Rilke-Gesellschaft in: Blätter
der Rilke-Gesellschaft 27/28, 2006/2007, S. 296-298
Hält man sich an die Zahl der Publikationen und
die Präsenz
in den Medien, urteilt nach den Hörbüchern und den sogenannten „Projekten“,
dann gehört Rilke zu den Dichtern, die einer breiteren Öffentlichkeit
bekannt sind. Das bestätigt auch das Rilke-Forum im Internet
(www.rilke.ch) und die lebhafte Diskussion, die
da geführt
wird.
Aber den Rilke-Lesern und den „Rilke-Fans“ gehört
nicht die Aufmerksamkeit der Spezialisten. Die Rilke-Philologen
und die Rilke-Interpreten haben in der Regel den
Dichter, sein Leben und vor allem sein Werk im Blick
und nehmen kaum je Rücksicht
auf die Rilke-Leser und die Rilke-Bewunderer, und
wären es
noch so viele. Es geht in der wissenschaftlichen
Diskussion kaum um die Rezipienten und kaum um die
Frage, wer Rilke liest und welcher Werkteil Rilkes von wem bevorzugt
wird. Thilo von Pape, der Webmaster des Rilke-Forums, hat eine
Umfrage gestartet nach Rilke-Lesebiographien. Aber das Material
reicht noch nicht aus, verwertbare Rückschlüsse hinsichtlich
des Publikums zu ziehen. Es ist nicht einmal klar zu erkennen,
welchen Einfluss das Geschlecht der Leser auf die Wahl der Lektüre
hat und welche Bedeutung dem Alter zukommt und
welche den vermittelnden Instanzen (Elternhaus,
Freunde, Schule, Lehrwerk Buchmarkt, Medienangebote).
Das wird sich vielleicht ändern. Jedenfalls legt der Bertuch-Verlag
Weimar nun als Band 1 der Reihe „Bertuchs Weltliteratur für
junge Leser“ ein Werk vor, das es unternimmt, Rilkes Leben
und Rilkes Schaffen „jungen Lesern ab 15 Jahren“ näher
zu bringen. Eine solche Ausrichtung auf eine bestimmte
Adressatengruppe setzt viel voraus, nicht nur einen Überblick über
den Gegenstand und damit die Fähigkeit und die Möglichkeit,
nuancieren, abwägen und auswählen zu können. Sie
verlangt zugleich eine Form der Vermittlung, die
der spezifischen Lesergruppe entgegen-kommet und
ihr Interesse zu weiterer Lektüre
weckt und unterhält, den Leser gewinnt für eine Dichtung,
die jede Bevormundung unterläuft, auch die gut gemeinte. Die
erste Bedingung ist mit Horst Nalewski erfüllt. Er ist seit
Jahren mit dem Leben und dem Werk Rilkes beschäftigt und
er hat als Autor und Herausgeber, Interpret und
Biograph einen hervorragenden Ruf. Seine Kompetenz ist
unbestritten.
Bei der Auswahl hat sich Horst Nalewski allein
von dem Zweck, der „causa finalis“ leiten lassen, nämlich
die jugendlichen Leser mit dem Leben und dem Werk des Dichters
bekannt zu machen. Er hat folglich die verschiedenen Möglichkeiten
der Auswahl praktiziert und je nachdem mehr die chronologischen,
thematischen oder gattungsspezifischen Aspekte berücksichtigt.
Die Entscheidung, sich in diesem Falle bei der
Vorstellung des Dichters auf die frühe Zeit (Prag, München, Russland,
Paris) bis zu den ersten Zeugnissen der Meisterschaft
(Das Buch der Bilder, Neue Gedichte) zu beschränken, ist wohl
von der Absicht bestimmt, die besondere Situation
der jugendlichen Leser zu berücksichtigen. Der Bildungsweg
des Dichters, seine Schwierigkeiten bei der Selbstfindung,
seine Einwände gegen
die Erwartungen seiner mitmenschlichen Umwelt, der
Familie und der Schule, können
gerade jungen Menschen eine Hilfe sein, die sich
in ähnlichen
Konflikten befinden zwischen den gesellschaftlichen
Vorgaben und den eigenen Neigungen. Für manchen jungen Leser
wird es ein Trost sein und ein Ansporn, wenn er
dem „schweren
Weg“ eines
Menschen folgen kann, der ein Ziel hatte, das für den Vater
eine Enttäuschung war, ihm selbst aber jede Mühe wert.
Hinsichtlich der Textsorten verzichtete Horst
Nalewski auf jede Beschränkung und entschied sich für die Vielfalt.
Neben der Lyrik (selbstverständlich) und einigen Prosawerken
(Cornet, die Turnstunde, Geschichten vom lieben
Gotte, Der Drachentöter)
bezog er auch die Briefe Rilkes in seine Darstellung
mit ein. Das ist nicht nur deshalb zu begrüßen, weil
die Korrespondenz von Anfang an und bis zuletzt
ein wesentlicher Teil des Rilkeschen Schaffens ausmacht, sondern
weil dadurch der Zusammenhang zwischen Leben und Werk fühlbar
wird und zugleich die Differenz zwischen dem Leben und der „großen
Arbeit“.
Der Konzentration auf die frühen Jahre entspricht die Akzentuierung
bestimmter Themen wie sie sich zeigen in Rilkes
Samskola-Aufsatz, der sich mit einem schwedischen
Schulmodell befasst, der Erzählung
Die Turnstunde, die in der Militärakademie spielt, oder in
Rilkes Brief an seine fünfjährige Tochter Ruth. Diese
Texte gehören jeder einer anderen Gattung an, gehören
aber thematisch (Kindheit und Jugend, Erziehung)
zusammen. Es ist anzunehmen, dass diese Texte unabhängig von
ihrer gattungsmäßigen
Verschiedenheit (Essay, Erzählung, Brief) den jugendlichen
Leser vom Inhalt her ansprechen und vom Thema her
interessieren. Sie werden ihm von seiner eigenen
Erfahrung her leicht zugänglich
sein.
Die Einführungen, Beschreibungen und Kommentare sind sehr
zurückhaltend und frei von jedem selbstgefälligen Jargon
und wissenschaftlichem Ballast, die den (jungen)
Leser leicht verschrecken können und unsicher machen. Er wird
auf keine Sekundärliteratur verwiesen, die ihm eh nicht zur
Verfügung
stünde, und er wird nicht von Ausgaben, Erscheinungsorten,
Verlagen, Interpretationsansätzen und Editionsproblemen abgelenkt,
Horst Nalewski beschreibt allenfalls die chronologischen
Zusammenhänge,
erläutert die historischen Hintergründe und den sozialen
Kontext, stellt Personen vor (Lou Andreas-Salomé, Franz
Xaver Kappus) und skizziert Anlässe, Anliegen und Ziele,
immer im Dienste der Texte Rilkes, die so im Vordergrund
bleiben und zu einer unbefangenen Lektüre einladen und zu
gewinnenden Entdeckungsreisen.
Niemand wird sich wundern, dass hinter der Auswahl,
den Einführungen und den Kommentaren eine Werbung für
den Dichter Rilke erkennbar ist, für sein Leben und sein Werk.
Das ist an keiner Stelle offen formuliert, wie denn überhaupt
die Frage nicht gestellt und beantwortet werden musste, wozu es
gut ist, sich mit einem Dichter zu befassen, sein Leben zu studieren
und sich in seine eigene Welt zu versenken. Der Ton der Beschreibung,
die Hingabe an den Gegenstand sind Zeugnisse einer Erfahrung, die
Beweise überflüssig macht. Es ist das (sprichwörtliche)
Beispiel, das mitreißt.
Das gilt überraschender Weise auch für den erwachsenen,
vielleicht sogar schon kundigen Leser. Er braucht
nur den Versuch zu machen, sich in die Rolle des
intendierten jugendlichen Lesers zu versetzen, und er wird die
Geschichten vom lieben Gott aus der doppelten Perspektive in ihrer
polemischen Unschuld ganz neu entde-cken. Er wird sich als einer
der Großen fühlen,
denen die Geschichten für Kinder erzählt werden, wie
es in einem Zusatz ursprünglich hieß.
Der Band ist reich bebildert, wie sich das gehört für
ein Buch im Zeitalter visueller Kultur.
Man wünscht dem Buch viele junge Leser und den jungen Lesern
viel Freude bei der Begegnung mit einem Werk der Weltliteratur.
Ob sich die Begegnung gelohnt hat, wird sich später erweisen.
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